Amazon steigert Produktion des Kindle Fire

Offenbar hat Amazon mit dem kommenden Tablet Kindle Fire eine Marktlücke entdeckt. Das preiswerte Tablet erfreut sich offenbar großer Beliebtheit und wird in großen Mengen vorbestellt. So sehr, dass Amazon bei seinen Zulieferern die Bestellungen auf fünf Millionen Stück erhöhen musste.

Allerdings legt der Onlinehändler auch bei jedem verkauften Tablet ein paar Dollar drauf, verkauft also mit leichtem Verlust. Das ließ erst vor kurzem die Umsatzerwartungen eher schlecht aussehen, dürfte sich aber langfristig als geschickte Investition erweisen. Immerhin werden auch PC-Drucker fast zum Selbstkostenpreis abgegeben und am Ende mit der Tinte viel Geld verdient. Ein ähnliches Konzept verfolgt auch Amazon – das Tablet wird mit einem niedrigen Preis von unter 200 US-Dollar viele Käufer finden, die anschließend in den vorbildlich verknüpften Amazon-Shops Musik, Filme oder Bücher kaufen.

Die Branchenkenner von Digitimes haben nun erfahren, dass Amazon bis Ende des Jahres satte fünf Millionen Stück des Kindle Fire produzieren lassen möchte. Ursprünglich war von etwa drei Millionen Tablets die Rede. Allerdings konnte Amazon bereits nach fünf Tagen über eine Viertelmillion Vorbestellungen verbuchen, das Konzept scheint daher aufzugehen. Nachdem der Onlinehändler ursprünglich von 3,5 Millionen verkauften Tablets in diesem Jahr ausging, korrigierte man die Einschätzung schnell auf 4 Millionen. Nun werden es also offenbar sogar fünf Millionen Kindle Fire. Bereits am kommenden Dienstag erscheint das 200-Dollar-Tablet in den USA. Etwa 10 Dollar pro Gerät darf sich Amazon auf die Verlustliste schreiben, die Einnahmen durch zusätzliche Verkäufe in den integrierten Shops dürften diese Verluste aber problemlos auffangen.

Der eReader Kindle (Bild) wird bald mit dem Kindle Fire ein vollwertiges Tablet als Nachfolger bekommen. Bildnachweis: Amazon

Das Kindle Fire nutzt einen 7 Zoll großen kapazitiven Touchbildschirm, einen Doppelkernprozessor und setzt auf Googles Android-Betriebssystem. Die technische Basis ist also durchaus auf dem Stand der Technik, das Betriebssystem ist allerdings kaum noch als Android zu erkennen. Alle Hinweise auf Google wurden von Amazon beseitigt und gegen hauseigene Apps ersetzt – seit einiger Zeit verfügt Amazon praktischerweise sogar über einen eigenen App-Store. Mit nur 414 Gramm ist das Kindle Fire zudem recht leicht und soll auch als eBook-Reader eine gute Figur machen. Die Kindle-App ist jedenfalls bereits vorinstalliert, der Zugriff auf Amazons elektronische Bücherei steht damit auch Tablet-Kunden offen. Viele der vorinstallierten Dienste sind allerdings in Deutschland noch nicht verfügbar oder rechtlich schwer zu realisieren. Musik- und Filmstreaming beispielsweise scheitert in Deutschland regelmäßig an den finanziellen Interessen der Verwertungsgesellschaften. Pläne, das Kindle Fire auch in Europa anzubieten, hat Amazon daher offenbar noch nicht – ohne eine funktionierende App-Infrastruktur dürfte das allerdings auch ein eher zweifelhaftes Vergnügen sein.

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