Geräuschlose, ultra-schnelle Festplatten mit geringem Stromverbrauch, Stoß- beziehungsweise Vibrationsresistenz und kleinem Formfaktor sind der Wunsch von PC-Anwendern, die nach multimedialen Höchstleistungen streben. Auf dem Sektor der Flash-Speichermedien haben sich für diese Bedürfnisse so genannte Solid State Drives (kurz: SSD) herauskristallisiert. SSDs bringen den großen Vorteil, dass sich im Inneren keine Scheiben drehen und auch keine sensible Feinmechanik vorhanden ist, sondern die Daten mittels elektrischer Impulse in Halbleiterbausteine geschrieben werden.
Diese Technik eliminiert viele Probleme, mit denen man bei herkömmlichen Festplatten zu kämpfen hat. So sind SSDs gegen Stöße und Vibrationen nahezu immun, der Stromverbrauch beträgt nur mehr einen Bruchteil und auch an die geringe Größe beziehungsweise das niedrige Gewicht kommen normale ferromagnetische Festplatten nur bedingt heran, weshalb Solid State Drives immer häufiger in Notebooks Anwendung finden. Der Hauptvorteil liegt jedoch in der weitaus höheren Datenübertragungsgeschwindigkeit. Die Zugriffszeit bei Lesevorgängen ist mit 0,1 Millisekunden in etwa hundertmal schneller, als bei normalen Festplatten. Beim Beschreiben einer SSD sind Raten von bis zu 220 Megabyte pro Sekunde möglich. Eine komplett bespielte handelsübliche DVD mit einer Kapazität von knapp 4,7 Gigabyte kann also im besten Falle in nur 30 Sekunden von einem Platz zum anderen übertragen werden. Das Betriebssystem lädt demnach also, genau wie andere installierte Programme, um einiges schneller. Großer Nachteil ist hingegen, dass die maximal erhältliche Kapazität bei Consumer-Produkten circa 512 Gigabyte beträgt und SSDs mitunter horrend teuer und starken Preisschwankungen ausgesetzt sind.
“Technisch haben sich SSDs im Consumer-Bereich alleine im vergangenen Jahr enorm verbessert. Dadurch, dass sich im Inneren einer SSD keine Teile bewegen, ist die erhöhte Lebensdauer im Vergleich zu normalen Festplatten ein großer Vorteil. Der Preis wird in Zukunft fallen, sobald die Technologie von den Konsumenten besser aufgenommen wird”, erklärt Paul Jones, CEO von Patriot Memory. Technisch können einander SSDs enorm unterscheiden. Der Hersteller OCZ bietet mit den Solid-, Core-, Apex- und Vertex-Serien insgesamt vier Produktreihen an, die von Einsteiger-SSDs (Solid-Serie) bis hin zu Highend-Komponenten (Vertex-Serie) reichen. Ähnlich auch der Halbleiterspezialist Patriot Memory, der sich mit seinen Warp-SSDs einen Namen gemacht hat. Die derzeit schnellsten Solid State Drives kommen jedoch aus dem Hause Intel und haben dementsprechend ihren Preis. Technisch gibt es also viele Unterschiede. Aufpassen müssen potentielle Käufer jedoch sehr, gleichen einander die Geräte doch äußerlich wie ein Ei dem anderen.
Jones gibt zu bedenken: “Beim Kauf einer SSD sollten Interessenten Produkte mehrere Anbieter vergleichen. Wer den vollen Geschwindigkeitsvorteil nützen will, muss tiefer in die Tasche greifen. Vorsicht ist bei angeblichen Schnäppchen geboten. Hier kommt es öfters vor, dass minderwertige Bauteile verwendet werden.” Positiver und zugleich negativer Knackpunkt ist die Sicherheit, die Solid State Drives bietet. Einerseits kann diesen Geräten keine noch so starke Erschütterung etwas anhaben. Auf der anderen Seite ist es nur bedingt möglich, Daten komplett aus dem Speicher zu löschen, weswegen Experten zur Verwendung von Verschlüsselungssoftware raten. SSDs haben dennoch ihre Vorteile gegenüber handelsüblichen Festplatten, doch wie wird es in der Zukunft aussehen? Man halte sich vor Augen: Konventionelle Festplatten werden seit knapp 50 Jahren entwickelt, SSDs seit gerade einmal zwei Jahren. Dieser Vorsprung ist dafür verantwortlich, dass es Festplatten bereits mit mehreren Terabytes an Kapazität zu günstigen Preisen gibt, Solid State Drives jedoch im Consumer-Bereich diesbezüglich stark nachhinken. Der Preis ist hierbei nicht außer Acht zu lassen. Man muss je nach Einsatzbereich entscheiden, ob es sich auszahlt, beispielsweise für eine SSD mit 256 Gigabyte Kapazität rund 700 Euro zu bezahlen, oder stattdessen Festplatten bezieht, mit denen man zu diesem Preis knapp zehn Terabytes an Speicher bekommt. SSDs sind für Note- und Netbooks vorteilhaft oder für den professionellen Einsatz am PC, wo alle genannten Vorteile benötigt werden.
Für Daten-Backups oder Medienarchive werden also nach wie vor Festplatten benötigt und ein kompletter Umschwung auf SSDs ist auch in Zukunft nicht abzusehen. Gerade in Zeiten immer höheren Datenaufkommens steigt der Bedarf an Massenspeicher ins Unermessliche. So setzt beispielsweise Samsung bei der Entwicklung sowohl auf SSDs als auch auf Festplatten. Im nächsten Jahrzehnt wird es bereits so sein, dass man ein Terabyte an Speicher problemlos in der Hosentasche mitführen kann, dass der PC zuhause ein Petabyte an Speicherkapazität hat, dass Rechenzentren mehrere Exabytes an Daten verarbeiten, und dass weltweit mehrere Zettabytes an digitalen Daten angehäuft sind. Eine Besonderheit ist weiters, dass die Nachfrage an Festplatten mit kleinem Formfaktor (also 2,5-1,8 Zoll) extrem gestiegen ist und 3,5″-Festplatten kaum mehr mobil eingesetzt werden. Eine Koexistenz beider Medien wird also die Zukunft auf dem Speichermarkt sein: SSDs auf der einen Seite für hochprofessionelle Anwendungen oder zum Einsatz in Notebooks und andererseits konventionelle Festplatten für NAS-Systeme und Home-Server, wo sich die hohen Kosten von SSDs nicht bezahlt machen.