Microsoft und Apple schlagen Google im Kampf um Nortel-Patente

Ein Konsortium unter Führung von Microsoft und Apple hat sich in einer Auktion die mehr als 6000 Patente des insolventen kanadischen Telekommunikationsunternehmens Nortel gesichert. Dafür zahlte die Firmengruppe, an der auch EMC, Research in Motion (kurz: RIM – der Hersteller der Blackberrys) und Ericsson (das seine Mobilfunksparte gemeinsam mit Sony betreibt) beteiligt sind, insgesamt 4,5 Milliarden US-Dollar (etwa 3,1 Milliarden Euro). Vollständig besiegelt ist das Geschäft momentan jedoch noch nicht. Die Zustimmung des für Nortel zuständigen Insolvenzrichters steht noch aus. Diese soll noch im dritten Quartal erfolgen, gilt aber ohnehin nur als Formsache.

Die Patente von Nortel drehen sich um Mobilfunk, W-LAN, Internet-Suche, Online-Netzwerke und den schnellen Datenfunk-Standard LTE, der in diesen Wochen seine Launch-Phase erlebt. Die Partner beteiligten sich nicht gleichmäßig an dem Deal. RIM erklärte, man habe 770 Millionen Dollar beigesteuert, Ericsson fügte an, man sei mit 340 Millionen Dollar im Topf. Den größten Teil der Summe soll Microsoft gezahlt haben.

Dabei war es vermutlich nicht einmal das große Eigeninteresse an den wertvollen Patenten, dass den Software-Riesen dazu animierte, die eigene Geldbörse weit zu öffnen und sogar mit Konkurrent Apple zusammenzuarbeiten – es ging vielmehr darum, einen mächtigen Gegner von den Patenten fernzuhalten. Denn bereits vor Wochen signalisierte Google, es wolle die Patente von Nortel unbedingt erwerben. Das Unternehmen bot 900 Millionen Dollar. Der mediale Aufschrei von Unternehmen wie Microsoft, Hewlett Packard oder der Telekom-Konzerne AT&T und Verizon war immens. Lautstark protestierten die Firmen gegen einen Verkauf der Patente an Google, denn dieser hätten den Suchmaschinenriesen von großen Problemen befreien können.

Nortel Googles Smartphone-Sparte Android kämpft mit gewaltigen Schwierigkeiten. Die Konkurrenten setzen dem Unternehmen hart zu. Besonders Microsoft hofft, durch die Schwäche der Google-Geräte und des dazugehörigen Betriebssystems die Verkäufe des Windows-Phones pushen zu können, das ebenfalls mit beträchtlichen Problemen zu kämpfen hat. Googles Position auf dem Smartphone-Markt ist so schlecht, weil die Firma über viel zu wenige eigene Patente verfügt. Dies ist der Preis, den Google zahlen musste, als es entschied, sein Betriebssystem Android als Open Source zur Verfügung zu stellen. Und auch bei den wenigen Patenten, über die Google verfügt, hat der bekannte Suchmaschinen-Anbieter mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Derzeit sind 45 Patentklagen gegen die Smartphone-Abteilung von Google anhängig. Hersteller von Android-Geräten müssen Gebühren an dutzende von Rechteinhabern zahlen.

Die Nortel-Patente hätten Google aus dieser schwierigen Situation befreien können. Mit einem Schlag hätte sich das Unternehmen in den Rechtsstreits und auf dem Smartphone-Markt in eine wesentlich stärkere Position gebracht. Entsprechend groß ist der Frust im Google-Lager über die Niederlage im Wettstreit um die Nortel-Patente. Die Auktion sei für alle Personen enttäuschend, kommentiert Google-Spitzenmanager Kent Walker in der New York Times, die glauben, dass offene Innovation gut für die Nutzer sei und Kreativität den Wettbewerb fördere.

Nortel zählte früher einmal zu den Vorzeige-Unternehmen auf dem Telekommunikationsmarkt. Die kanadische Firma beschäftigte in ihren Glanzzeiten mehr als 90.000 Mitarbeiter. Durch die 2008 schwelende Wirtschaftskrise geriet Nortel in immense finanzielle Schwierigkeiten und musste schließlich im Januar 2009 Insolvenz anmelden. Als Folge müssen alle Vermögenswerte Nortels veräußert werden, um die Forderungen der Gläubiger zu bedienen. Bereits vor der Patentauktion hatte Nortel auf diese Weise 3,2 Milliarden Dollar eingenommen. Die Firma wird sich vermutlich zum 1. Januar 2012 vollständig auflösen. Der gerichtliche Gläubigerschutz endet einen Tag zuvor.

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