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Testbericht: Telegärtner DoorLine a/b T01/T02 Türsprechstelle

Bekannte, Familienangehörige oder der Paketdienst haben oftmals eine unangenehme Eigenschaft: Sie läuten genau dann an der Türe, wenn man den Dachboden entrümpelt, in einem Telefonat steckt oder in irgendeiner anderen Form beschäftigt ist und eben nicht sofort zur Gegensprechanlage hasten kann.

Hausherren können sich allerdings mit der richtigen Hardware viel Stress ersparen: Mit Türsprechstellen, die an eine Telefonanlage gebunden sind, werden Besucher bei Betätigung der Türglocke zu einem Schnurlostelefon durchgestellt. Das Gespräch lässt sich dann also von überall im trauten Zuhause führen, ohne, dass man dafür einen olympiareifen Sprint zum kabelgebundenen konventionellen Hörer hinlegen müsste.

Wir haben uns kürzlich eine solche Torstelle, nämlich die DoorLine a/b T01/T02 der Telegärtner Elektronik GmbH näher angesehen. Dieses Produkt kann an jede analoge oder ISDN-Telefonanlage angeschlossen oder in Kombination mit einer FRITZ!Box verwendet werden, sofern diese über eine freie analoge Nebenstelle verfügt. Da es zu diesem Gerät bislang nur wenige Erfahrungsberichte und User-Diskussionen in Foren gibt, gehen wir in diesem Testbericht bewusst etwas tiefer ins Detail und verraten, wie man die DoorLine Schritt für Schritt installiert und konfiguriert.

Telegärtner DoorLine a/b T01/T02

Die Telegärtner DoorLine a/b T01/T02 gibt es wahlweise in den Farben Weiß und Silber. Bildnachweis: Telegärtner


Großer Lieferumfang lässt Freiheiten bei der Montage

Die Telegärtner DoorLine a/b T01/T02 wird in einem neutralen circa 27 x 12,5 x 14,5 (L x B x T) Zentimeter großen Karton ausgeliefert. Darin befinden sich das Hauptgerät mit vormontiertem 2-Tasten-Modul, ein Unterputzgehäuse, ein zusätzliches 1-Tasten-Modul, ein Aufputzrahmen, eine Bedienungsanleitung und eine Plastiktüte mit Kleinmaterial (1 Kabelstecker 8-polig, 2 Flossendübeln S6, 2 Schrauben 4 x 30, 1 Kabeltülle, 4 Spreizklemmen, 4 Schrauben für Spreizklemmen, 2 Torx-Schrauben, 1 Torx-Schlüssel). Die DoorLine kann also einerseits mit dem Unterputzgehäuse montiert werden, was aber voraussetzt, dass ein Wandausbruch gestemmt wurde. Wem das zu aufwendig und zu staubig ist, installiert die DoorLine einfach mittels Aufputzrahmen. Ebenso werden zwei verschiedene Tastenmodule geliefert, die unkompliziert ausgetauscht werden können und es dem Anwender erlauben, entweder einen oder gar zwei Wohnbereiche zu erreichen. Das Tastenfeld kann darüber hinaus um 90 Grad nach links oder rechts gedreht werden wodurch die horizontale Ausrichtung der DoorLine ermöglicht wird.

Viele Anwendungsmöglichkeiten – Allerdings nicht „out of the box“

Mit der DoorLine-Türfreisprecheinrichtung kann bei weitem mehr gemacht werden, als lediglich drahtlos mit wartenden Besuchern zu kommunizieren: Einerseits können, sofern die Torsprechstelle an eine FRITZ!Box angeschlossen wurde, Gruppenrufe eingerichtet werden. Ein Unternehmen hätte also die Möglichkeit, eine Klingeltaste der Marketing-, die andere der Vertriebsabteilung zuzuordnen. Wird die jeweilige Taste von einem Besucher betätigt, läuten alle Mitarbeiter-Schnurlostelefone der entsprechenden Abteilung (insgesamt können in ein FRITZ!Box-Netzwerk bis zu sechs DECT-Mobilteile eingebunden werden). Auch ein interessantes Feature ist andererseits die sogenannte „Apothekerschaltung“. Ist diese konfiguriert, lässt sich eine Klingeltaste auf Knopfdruck an ein anderes Schnurlostelefon weiterleiten. Diese Funktion dürfte vor allem in Firmen praktisch sein, wenn zum Beispiel die Sekretärin kurz vor Feierabend via Apothekerschaltung die für sie eingestellte Klingeltaste an das DECT-Mobilteil des Nacht-Portiers weiterleitet. Ebenso können mit diesem Feature Mobiltelefone angesprochen werden: Läutet ein Besucher an, kann der Hausherr also auch auf Dienstreisen „zur Haustüre gehen“. Außerdem kann die DoorLine Türklingeln sowie -öffner ansteuern und auch die Tasten lassen sich beleuchten. Diese Funktionen stehen allerdings nur in Kombination mit einem Klingeltrafo (SNG DL) zur Verfügung, der zwar nicht im Lieferumfang inkludiert ist, aber bei unseren Tests zum Einsatz kam. Bevor die DoorLine in vollem Umfang verwendet werden kann, muss sie logischerweise installiert und konfiguriert werden.

Telegärtner DoorLine a/b T01/T02

Das Test-Setup: Telegärtner DoorLine a/b T01/T02 (sowohl an eine FRITZ!Box 7330 als auch an das Steckernetzteil angeschlossen) und ein FRITZ!Fon C3.

Der üppige Verpackungsinhalt könnte vor allem bei Laien den trügerischen Eindruck erwecken, dass die Telegärtner DoorLine a/b T01/T02 mit nur wenigen Handgriffen und ohne großen Aufwand in betriebsbereiten Zustand gebracht werden kann. Ersteres ist zwar prinzipiell der Fall, jedoch fehlt im Lieferumfang ein Adapterkabel, mit dem man die Telefonanlage mit der DoorLine verbinden könnte. Um selbst eine geeignete Verkabelung zwischen beiden Geräten herzustellen, sollte der Anwender daher wissen, wie man mit Steckklemmen umgeht oder ein Kabel abisoliert. Bei unseren Tests kappten wir kurzerhand ein Adapterkabel (RJ11 Stecker auf TAE F Buchse) und löteten an die zwei mittleren Drähte, die zum RJ11-Stecker führen, jeweils einen Schaltdraht („Jumper Wire“) an. Mit diesem DIY-Adapter ausgestattet konnte die DoorLine sofort an den FON1-Port einer FRITZ!Box 7330 angeschlossen und in Betrieb genommen werden. Wem dieser Schritt zu kompliziert ist, hat allerdings die Möglichkeit, ein optional erhältliches DECT-Modul zu bestellen. Dann kann die DoorLine vollkommen drahtlos mit der FRITZ!Box verbunden werden. Klarerweise muss allerdings das DECT-Modul mit der DoorLine verdrahtet werden.

Telegärtner DoorLine a/b T01/T02

Schematische Darstellung: Die mittleren beiden Pins des RJ11-Steckers müssen mit den Ports 1 & 2 des DoorLine-Kabelsteckers verbunden werden. Bildnachweis: AVM, Telegärtner. Montage: PCDAILY


Nächste Hürde bewältigen: Die Konfiguration

Mit dem erfolgreichen Anschließen der DoorLine an die FRITZ!Box ist ein großer Schritt getan, allerdings sind die Klingeltasten noch funktionslos. Um das zu ändern und der Türsprechstelle Leben einzuhauchen, muss das Gerät in einem ersten Schritt über die FRITZ!Box-Benutzeroberfläche konfiguriert werden. Im Menüpunkt „Telefonie“ – „Telefoniegeräte“ lässt sich die DoorLine im Handumdrehen als Anrufbeantworter einrichten (so sieht es jedenfalls das Tutorial von AVM vor; alternativ kann die Doorline aber auch als Fax oder Telefon eingerichtet werden). Mit einem DECT-Mobilteil (bei unseren Tests verwendeten wir die FRITZ!Fon-Geräte MT-F, C3 und M2 sowie ein Siemens Gigaset A 120) können die Einstellungen nun überprüft werden, indem man **1 anruft. Die Verbindung zur DoorLine sollte nun aufgebaut werden und wenn alles geklappt hat funktionieren sowohl Lautsprecher als auch Mikrofon. Um in weiterer Folge die Klingeltasten zu aktivieren, muss zunächst die spontane Amtsholung deaktiviert werden: Für den FON1-Port einer FRITZ!Box geschieht das, indem man die Zeichenfolge #11*0*#91** mit dem DECT eingibt, die Gesprächstaste (Hörer abheben) betätigt und circa 3 Sekunden nach Verbindungsaufbau wieder auflegt.

FRITZ!Fon MT-F

Konfiguriert wird die DoorLine über ein DECT-Mobilteil (hier abgebildet: FRITZ!Fon MT-F) oder via Smartphone. Bildnachweis: AVM

Abschließend ist es erforderlich, die internen DECT-Rufnummern den jeweiligen Klingeltasten zuzuordnen. Diese Aufgabe ist zwar nicht sonderlich schwierig, erfordert allerdings, dass man gewisse Tastenkombinationen schnell und vor allem fehlerfrei in die Tastatur des Mobilteils eintippt. Die genaue Prozedur hierfür ist ausführlich im Handbuch beschrieben. Da die spontane Amtsholung der FRITZ!Box im vorherigen Schritt deaktiviert wurde, können die internen Rufnummern ohne Sonderzeichen eingegeben werden (also zum Beispiel 610 oder 620 für zwei an der Basisstation angemeldete DECT-Telefone). Damit die Weiterleitung von Gesprächen zu einem Festnetz- oder Mobiltelefon funktioniert, muss eine 0 vorgewählt werden. Tüftler, die eine Internetrufnummer bei einem VoIP-Anbieter registriert und im Benutzer-Interface der FRITZ!Box eingestellt haben, können die Nummer aber nicht nur für ausgehende, sondern auch für eingehende Anrufe an die DoorLine binden. Damit lässt sich das gute Stück dann auch via Smartphone konfigurieren und man erspart sich den Zukauf von DECT-Telefonen komplett.

Eindrücke aus dem Praxistest

Im Test hat die Telegärtner DoorLine a/b T01/T02 klar bewiesen, dass sie ohnehin schon vieles kann, aber noch gewaltiges Potential für Tüftler hat. In den USA ist es unter Hardware-Hackern mittlerweile zum Volkssport geworden, Gegensprechanlagen zu modifizieren. Der potentialfreie Schließerkontakt beziehungsweise der zweite Anschluss, über den Verbraucher geschalten werden können, müssen ja nicht zwangsläufig im Sinne des Erfinders eingesetzt werden. Von den grundlegenden Funktionen her überzeugt die DoorLine jedenfalls vollkommen: Sie kann sehr flexibel nach den Belieben des Anwenders montiert werden und ist für fortgeschrittene User schnell zu konfigurieren – Mit ein bisschen Übung beherrscht man die Zahlenkombinationen zum Einstellen der wichtigsten Funktionen im Schlaf. Im Betrieb zeichnet sich die DoorLine durch einen raschen Verbindungsaufbau aus, der Besuchern zudem durch das Aufleuchten einer grünen Status-LED (im Direktbetrieb zusätzlich mit Hörtönen) signalisiert wird. Auch die Sprachqualität ist vollkommen akzeptabel und sowohl die Mikrofonempfindlichkeit als auch die Lautstärke des Lautsprechers können mühelos angepasst werden. Mit dem optional erhältlichen Steckernetzgerät SNG DL lassen sich darüber hinaus die Klingeltasten beleuchten, ein Türöffner und/oder eine Türklingel ansteuern. Ein paar kleinere Schönheitsfehler gibt es allerdings auch: Die Oberfläche des im Aluminium-Look gehaltenen silbernen Kunststoffgehäuses weist leichte Unebenheiten auf (davon nicht betroffen sind die Klingeltastenmodule), die man allerdings nur dann erkennt, wenn man die DoorLine aus nächster Nähe betrachtet. Sonst macht diese Türsprechstelle in puncto Verarbeitung einen sehr soliden Eindruck. Das Innenleben ist mit Gummidichtungen bestens vor äußeren Einwirkungen geschützt. Die Demontage der Tastenabdeckungen zum Einlegen von Namensschildern birgt hingegen Potential für Kratzer und Sprünge, da sie mit einem Schraubenzieher ausgehebelt werden müssen. Außerdem sind die Druckpunkte und –geräusche der beiden Tasten unterschiedlich, was sich aber nicht negativ auf die Funktionalität der DoorLine auswirkt.

Alles in allem konnte die Telegärtner DoorLine a/b T01/T02 im Test mit einer ordentlichen Leistung und einem ausgezeichneten Lieferumfang überzeugen. Punkteabzüge gibt es wegen der nicht ganz perfekten Verarbeitung und der für Laien eher problematischen Inbetriebnahme. Wenn jedoch erst einmal alles konfiguriert ist, sollten selbst weniger technikaffine Personen ihre Freude mit der DoorLine haben. Was dann unter Umständen noch einen Strich durch die Rechnung machen könnte, ist – jedenfalls in unserem Setup – die Reichweite der in der FRITZ!Box integrierten DECT-Basisstation. In großen Gebäuden lässt sich diese allerdings mit Zubehör – wie dem FRITZ!DECT Repeater 100 – jederzeit problemlos erweitern.

Wertung: Telegärtner DoorLine a/b T01/T02

Alternative: Das Briefkastenmodul

Telegärtner TS4 a/b

Die DoorLine gibt es auch ohne Gehäuse als Briefkastenmodul, wie hier das Telegärtner TS4 a/b. Bildnachweis: Telegärtner

Wem das Design der DoorLine a/b T01/T02 nicht gefällt oder einen Postkasten besitzt, der bereits über vorinstallierte Klingeltasten und Lautsprechergitter verfügt, muss allerdings nicht zwingend das Komplettpaket beziehen. Das technische Innenleben der klassischen DoorLine wird als „Briefkastenmodul“ vermarktet – Wie bei der richtigen DoorLine gibt es eine Version für zwei (TS2 a/b) und vier (TS4 a/b) Klingeltasten. Im Lieferumfang sind neben besagtem Modul auch ein Lautsprecher und ein Mikrofon enthalten. Beide Komponenten verfügen über Drähte, die an der jeweils passenden Schraubklemme angebracht werden müssen. Besonders kreative Anwender können ihrer Phantasie freien Lauf lassen und entweder bestehende Sprechstellen-Gehäuse neu gestalten oder gar eine eigene Türsprechstelle entwickeln. Sind Briefkastenmodul, Lautsprecher und Mikrofon erst einmal in Position gebracht, gestalten sich die Inbetriebnahme und Konfiguration analog zur DoorLine-Version mit vollständigem Gehäuse.


Kommentare

göz 25. Oktober 2013 um 22:15

hört sich gar nicht mal so schlecht an. mit der anleitung auch schnell angeschlossen.


Kai pfeiffer 7. Mai 2016 um 10:16

Hallo ich hab ne Frage
Ich hab ein doorline T01/T02 diese hat 4 Anschlüsse einmal für a/b also der für die telefonnebenstelle und wo müsste ich den klingeltrafo anschließen?
Um die Anlage betreiben zu können an der fritzbox
MfG Kai Pfeiffer


Alexander Kriz 15. Mai 2016 um 19:38

Hallo Herr Pfeiffer,
Sie können die diese DoorLine auch ganz ohne Klingeltrafo mit der FRITZ!Box verwenden (Tastenbeleuchtung geht dann aber nicht). Wenn Sie die Tastenbeleuchtung aktivieren möchten (bzw. einen elektrischen Türöffner ansteuern wollen), muss der Klingeltrafo mit den Pins 7 und 8 verbunden werden. Ich hoffe, die Info hilft Ihnen weiter.


W Fischer 24. Mai 2016 um 15:43

Hallo,
wir haben eine Doorline an die Fritz Box installiert.
Zudem haben wir 3 Dect Telefone an die Fritz Box angeschlossen.
Alles funktioniert soweit ganz gut.

Habe aber trotzdem noch 2 Fragen:

Wenn man an der Türstelle leutet, und die Türe am Schnurlostelefon geöffnet hat, legt man wieder auf.
Dann tutet es immer noch eine Zeit lang an der Türsprechanlage. Ist dieses normal, bzw. was muß ich wie abändern?

Die 2 te. Frage wäre:

Kann es sein, daß an den angeschlossenen Dect Schnurlostelefone jetzt der Akku schneller leer ist als wenn sie noch an der Basisstation angemeldet sind?

mfg W Fischer


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