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Doppelpack: WLAN-Router FRITZ!Box 7330 & 7360 im Test

Wer auf der Suche nach Komponenten für die Einrichtung eines drahtlosen Netzwerkes ist, wird wohl kaum um die Produkte der Berliner AVM GmbH herumkommen.

Das riesige Line-Up an verschiedenen FRITZ!Box-Geräten macht es allerdings vor allem unerfahrenen Anwendern nicht gerade leicht, den passenden Router für die jeweiligen Bedürfnisse zu finden. Vom Stress getriebene User greifen unbesorgt zur FRITZ!Box Fon WLAN 7390. Dabei handelt es sich – abgesehen von den LTE-Lösungen – zwar um das teuerste Produkt im AVM-Portfolio, dafür aber auch um das Flaggschiff mit dem größten Funktionsumfang. Hier kann man also auch als wenig versierter Anwender, wenn der höhere Preis nicht stört, kaum etwas falsch machen. Soll das Heimnetzwerk hingegen nicht allzu üppig ausfallen, lohnt es sich, die abgespeckten Alternativen in Betracht zu ziehen, wobei das Wort „abgespeckt“ bei AVM-Routern zweifelsohne fehl am Platz ist. In diesem Testbericht verraten wir, wie sich zwei dieser Kandidaten, nämlich die FRITZ!Box 7330 und die FRITZ!Box 7360, im harten Alltag anstellen.

Der Blick auf die inneren Werte

FRITZ!Box 7360

Die FRITZ!Box 7330 und die FRITZ!Box 7360 (hier abgebildet) gleichen einander wie ein Ei dem anderen. Bildnachweis: AVM

Betrachtet man bei beiden Geräten lediglich die Außenhülle und den Lieferumfang (neben dem Hauptgerät werden jeweils ein vier Meter langes DSL/Festnetz-Anschlusskabel, ein 1,5 Meter langes Netzwerkkabel, ein TAE/RJ45-Adapter zum Anschluss an das analoge Festnetz, ein Netzteil und eine Kurzanleitung mitgeliefert), so kann man auf den ersten Blick keine Unterschiede erkennen. Umso wichtiger ist es daher, sich mit den technischen Spezifikationen der FRITZ!Box 7330 und 7360 vertraut zu machen. Die folgende Tabelle gibt einen kurzen Überblick über den Funktionsumfang beider Geräte. An dieser Stelle sei auch erwähnt, dass die FRITZ!Box 7360 über einen schnelleren Prozessor verfügt, denn immerhin muss der Datentransfer über die doppelte Anzahl an LAN-Ports und auch des schnelleren VDSL gemanaged werden.

Gegenüberstelllung FRITZ!Box 7330 vs. FRITZ!Box 7360

FRITZ!Box 7330

FRITZ!Box 7360

LAN-Anschlüsse 1 x Gigabit; 1 x 100 Mbit/s 2 x Gigabit; 2 x 100 Mbit/s
Modem ADSL2+ VDSL; ADSL2+
Mediaserver ja ja
IPv6 ja ja
USB-Ports 2 2
WLAN-Standards 802.11 b/g/n 802.11 a/b/g/n
Frequenzband 2,4 GHz 2,4 GHz
Übertragungsrate 300 Mbit/s 300 Mbit/s
Telefon (analog) / VoIP ja / ja ja / ja
DECT ja ja (DECT-ULE)
Preis (Stand: März/April 2013) 125 € 160 €

Zubehör für maximale Flexibilität

FRITZ!Fon MT-F

Das FRITZ!Fon MT-F Mobilteil erweitert jede FRITZ!Box um DECT-Telefonie. Bildnachweis: AVM

Reicht zwar der Funktionsumfang der jeweiligen FRITZ!Box, nicht jedoch beispielsweise die WLAN-Reichweite, hilft AVM mit diversen Repeater-Lösungen weiter. Außerdem lässt sich jede FRITZ!Box mit Powerline-Adaptern kombinieren, welche die Datenübertragung via Stromnetz ermöglichen. Darüber hinaus beinhaltet das AVM-Portfolio zurzeit drei verschiedene DECT-Mobiltelefone, die in das Netzwerk eingebunden werden können. In diesem Test verwendeten wir das FRITZ!Fon C3, um die DECT-Basisstation auf Herz und Nieren zu überprüfen. Nebenbei erwähnt, muss man AVM zu Gute halten, dass die FRITZ!Box nicht gezwungenermaßen ausschließlich mit AVM-Zubehör funktioniert, sondern die Kompatibilität auch mit Geräten anderer Hersteller stets gegeben ist.

Alleskönner mit kleinen Einschränkungen

Vorweg: Sowohl die FRITZ!Box 7330 als auch die etwas üppiger ausgestattete FRITZ!Box 7360 eignen sich ob ihres Funktionsumfangs auf jeden Fall für gediegene Heimnetzwerke und die Vernetzung in kleineren Firmen. Beide Geräte funken im 2,4-GHz-Frequenzband mit einer Übertragungsrate von bis zu 300 Mbit/s. Die regelmäßig mit Updates versorgte Firmware FRITZ!OS stellt dabei automatisch den besten Funkkanal ein, um ein störungsfreies drahtloses Netz zu gewährleisten. Die Möglichkeit, Datentransfers über das noch wenig genutzte 5-GHz-Frequenzband abzuwickeln, wurde hingegen bei beiden Geräten ausgespart. Ebenso müssen Anwender auf die ISDN-Funktion verzichten – Dafür ist es mit der analogen Telefonanlage möglich, gleichzeitig über mehrere Leitungen zu telefonieren. Was die Firmware angeht, so ist die FRITZ!Box 7360 mit dem FRITZ!OS 5.50 auf dem neuesten Stand und beherrscht deswegen neben zahlreichen anderen Features auch den stromsparenden DECT-ULE-Standard. Anwender der FRITZ!Box 7330 müssen vorerst noch auf die neue Firmware-Version warten.

Inbetriebnahme und Konfiguration

Wie bereits in anderen Testberichten über FRITZ!Box-Geräte hervorgehoben, bemüht sich der Hersteller AVM, den Installationsvorgang knapp und plakativ zu erläutern und den Aufwand für die Anwender auf einem absoluten Minimum zu halten. Die beiliegende Kurzanleitung dürfte in jedem Fall ungeübten Anwendern helfen, das Setup auch ohne weitere Hilfe selbst zu konfigurieren. Sollten wirklich alle Stricke reißen, können auch klärende Video-Clips von der AVM-Website gestreamt werden. Einfach haben es jedenfalls Anwender, die über ein Kabel-Modem verfügen und von ihrem Provider die IP-Adresse automatisch via DHCP zugewiesen bekommen: Um drahtlosen Zugriff auf das Internet zu haben, reicht es, das Netzwerkkabel einfach an der FRITZ!Box anzuschließen. Alles weitere erledigt der Router – bis auf ein paar Mausklicks – fast von selbst. Bei DSL-Internet müssen die Daten hingegen händisch via Benutzeroberfläche eingegeben werden, wobei sich auch diese Prozedur über den Assistenten unkompliziert meistern lässt. Ebenfalls lassen sich alle Telefongeräte via Assistent einrichten und so beispielsweise bis zu 6 DECT-Mobiltelefone in das Netzwerk integrieren. AVM unterstützt für VoIP-Telefonie im Übrigen das gängige Protokoll SIP. Das Einrichten einer VoIP-Telefonnummer nach vorheriger Registrierung bei einem Provider (beispielsweise Sipgate) verläuft ebenso unkompliziert und liefert in Kombination mit dem FRITZ!Fon C3 Mobilteil HD-Telefonie ins Haus. Leider ist es nicht möglich, Skype zu implementieren, was aber nichts mit der FRITZ!Box zu tun hat, sondern damit, dass Skype ein proprietäres VoIP-Protokoll verwendet.

FRITZ!OS

Über die Benutzeroberfläche FRITZ!OS können sämtliche Einstellungen des Routers per Mausklick geändert werden.

Doch damit nicht genug: Sowohl die FRITZ!Box 7330 als auch die FRITZ!Box 7360 verfügen über jeweils zwei USB-Ports, an denen externe Laufwerke oder Drucker angesteckt und innerhalb des Netzwerks verfügbar gemacht werden können. Externe Laufwerke werden über die Funktion FRITZ!NAS konfiguriert und aufgerufen, entsprechende Empfänger können via Mediaserver-Funktion mit digitalen Inhalten versorgt werden.

Sicherheit im drahtlosen Netz

Die Vernetzung mehrerer Geräte erfordert geeignete Sicherheitsmaßnahmen und Administrationsmöglichkeiten. Grafik: AVM

Die Vernetzung mehrerer Geräte erfordert geeignete Sicherheitsmaßnahmen und Administrationsmöglichkeiten. Grafik: AVM

Die FRITZ!Box stellt im Netzwerk die zentrale Schnittstelle dar und muss logischerweise ausreichend vor unbefugten Zugriffen geschützt werden, beziehungsweise auch firmenintern Spielraum zur Verwaltung von vernetzten Geräten bieten. Von Werk aus ist der WLAN-Router via WPA/WPA2 verschlüsselt, ebenso die DECT-Anbindung. Der User hat die Möglichkeit, das Netzwerk zu verstecken und neue Geräte erst dann zuzulassen, wenn deren MAC-Adressen im Benutzer-Interface eingestellt wurden. Diese Option ist vor allem dann wichtig, wenn vermieden werden soll, dass Mitarbeiter/-bewohner den WPA-Key weitergeben und sich fremde Personen in das Netzwerk aufschalten. Außerdem haben sowohl die FRITZ!Box 7330 als auch die FRITZ!Box 7360 eine voreingestellte Firewall an Bord, die beispielsweise NetBIOS-Pakete blockiert. Der Anwender hat zudem die Möglichkeit, selbstständig Filterregeln anzuwenden und über bereits vorhandene Filter beispielsweise Torrent-Anwendungen zu sperren. Um die Internet-Stabilität zu gewährleisten können darüber hinaus priorisierte Anwendungen festgelegt werden. Damit wird sichergestellt, dass zum Beispiel VoIP-Telefonate nicht durch einen großen Download beeinträchtigt werden. Auch Eltern, die ihre Sprösslinge vor dunklen Ecken im Internet schützen wollen, werden nicht im Stich gelassen: Die Kindersicherung der FRITZ!Box ist an eine laufend aktualisierte Datenbank der BPjM gebunden, jugendgefährdende Inhalte werden gefiltert. Außerdem besteht die Möglichkeit, die Online-Zeit zu regulieren und beispielsweise einzustellen, dass das Kind täglich maximal zwei Stunden im Internet surfen darf. Für Firmen ist die VPN-Funktion interessant, die es ermöglicht, von Zuhause aus auf das Firmennetzwerk zuzugreifen.

Testverlauf und Fazit

Die Erstkonfiguration beider Geräte verlief problemlos: Über den Assistenten in der Benutzeroberfläche bestand die Internetverbindung schon nach wenigen Minuten und das DECT-Mobilteil wurde mit nur einem Klick Teil des Netzwerkes. Auch die Einbindung einer Internetrufnummer, die über einen VoIP-Provider (in diesem Fall Sipgate) bezogen wurde, funktionierte im Test zügig und die Sprachqualität ließ keine Wünsche offen. Um die Kompatibilität mit Geräten zu testen, die nicht aus dem Hause AVM stammen, wurde ein Sitecom WL-306 Router als Repeater implementiert. Dabei hat sich gezeigt, dass diese Kombination zwar prinzipiell funktioniert, allerdings ist die Konfiguration nicht gerade einfach, weil zwischen – in diesem Fall – der FRITZ!OS- und der Sitecom-Firmware Welten liegen. Auch wenn das Netzwerk schlussendlich vollständig konfiguriert ist, stehen dem Anwender mittels FRITZ!OS Benutzer-Interface alle Möglichkeiten offen, nach Belieben Änderungen oder Erweiterungen vorzunehmen. Außerdem lassen sich sowohl FRITZ!Box als auch DECT-Telefon in den stromsparenden Eco-Modus versetzen.

Besonders hilfreich sind die von AVM zum Download angebotenen FRITZ!Apps. User mit Android- oder iOS-Smartphone können via FRITZ!App Fon ihr Handy in ein VoIP-Schnurlostelefon verwandeln. Zudem haben Android-Anwender die Möglichkeit, via FRITZ!App Media auf im Netzwerk verfügbare Speichergeräte mit dem Smartphone oder einem Tablet zuzugreifen oder netzwerkfähige Fernseher fernzusteuern.

Die Tests haben gezeigt, dass sowohl die FRITZ!Box 7330 als auch die FRITZ!Box 7360 starke WLAN-Router sind, die sich keine Blöße geben und einfach zu konfigurieren sind. Welches von beiden Geräten nun das richtige ist, muss der Anwender selbst ausloten: VDSL-User, die zudem mehrere netzwerkfähige Geräte implementieren wollen, greifen zur FRITZ!Box 7360. Anwender mit Kabel- oder ADSL-Internet und geringen Ansprüchen, was das Vernetzen von zusätzlichen Endgeräten angeht, können beruhigt zur günstigeren FRITZ!Box 7330 greifen. Empfehlenswert sind beide Router.

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