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Google Nexus 10

Ein erstklassig ausgestattetes Tablet zum Kampfpreis – das dürften sich viele potentielle Tablet-Käufer zum kommenden Weihnachtsfest gewünscht haben. Google hatte ein Einsehen und präsentiert mit dem Nexus 10 ein Tablet der Extraklasse. In vielerlei Hinsicht.

Bislang mussten sich Android-Tablets fast immer an Apples iPad messen – oder preisgünstig als Schnäppchen-Tablet verkauft werden. Das iPad kam in seiner dritten Generation als erstes mit einem extrem hochauflösenden Display und zeigte dank 2.048 x 1.536 Pixeln alle Inhalte gestochen scharf an. Das ursprüngliche iPad gab sogar den Startschuss für eine komplette Branche, die Home-Tablets – nachdem Convertibles und Windows-Tablets Jahre vorher schon nur ein Nischendasein fristen konnten. Nun schlägt Google zurück und präsentiert mit dem Nexus 10 nicht nur ein dem iPad technisch überlegenes Produkt sondern verkauft es auch noch deutlich preiswerter als Apple seinen Marktführer. Was andere Android-Tablet-Hersteller allerdings weniger freuen dürfte: Google unterbietet auch die Preise so gut wie aller anderen Tablet-Produzenten (zumindest im Aufsteigersegment, abseits der allgegenwärtigen vermeintlichen Preisknüller) und bietet dabei sogar eine höhere Leistung im Vergleich zu anderen Luxus-Tablets wie beispielsweise dem Asus Transformer Prime.

Dabei war der Trend zum preiswerten Android-Schnäppchen absehbar. Mit dem Kindle Fire experimentierte Amazon zuerst mit günstigen Modellen und verkaufte das Gerät anfangs sogar mit Verlust – Geld verdienen funktionierte für Amazon dank der eigenen prominent auf der Oberfläche platzierten Shops dennoch recht einfach. Mit dem Nexus 7 dann schlug Google vor kurzem zurück: Ein Quadcore-Tablet mit hervorragendem HD-Display für nur 199 Euro war zuvor nicht denkbar – in dieser Preisklasse fanden sich sonst eher reduziert angebotene Vorjahresmodelles oder technisch arg schwache Billigmodelle sowie China-Importe mit guter Leistung aber oft zweifelhafter Qualität.

Google Nexus 10

Google Nexus 10 Bild:Google

Die Ankündigung des Amazon Kindle Fire HD – einem 8,9-Zoll-Tablet mit FullHD-Auflösung und guten technischen Daten zum Einstiegspreis, hat Google dann nicht lange auf sich sitzen lassen müssen – das jüngst vorgestellte Nexus 10 schlägt alle Konkurrenten sowohl auf technischer Seite als auch in punkto Softwarebasis. Als Hersteller des dazugehörigen Betriebssystems war es für Google allerdings nicht allzu schwer, das Nexus 10 als erstes Tablet auf dem Markt mit Android 4.2 auszustatten.

Nexus 10 Display: Hochauflösend und knackig scharf

Gefertigt wird das Nexus 10 von Samsung, entsprechend viele Samsung-Komponenten finden sich dann auch im Gerät. Das Design mit seinem breiten Rahmen wirkt zwar etwas altbacken und die abgerundeten Ecken dürften Apples Anwälte zum Zetern bringen, dafür entschädigt ein Blick auf den Bildschirm für den etwas missglückten ersten Eindruck. Auf 10 Zoll Displaydiagonale bringen Samsung und Google beeindruckende 2.560 x 1.600 Bildpunkte unter, was einer Pixeldichte von 300 ppi entspricht – Rekord im Tabletbereich. Zum Vergleich: Apples Retina-iPad löst bei 9,7 Zoll Diagonale mit 2.048 x 1.536 Bildpunkten auf und kommt so auf eine Pixeldichte von 264 ppi – und wurde bei Markteinführung für die überragende Auflösung und die damit verbundene Bildschärfe stark gelobt.

Das Kindle Fire HD hingegen kommt auf nur 1.920 x 1.080 Pixel bei 8,9 Zoll, was 254 ppi entspricht – immer noch sehr scharf aber dennoch nicht mit dem Nexus 10 vergleichbar. Ob der Nutzer im Alltag allerdings einen Unterschied zwischen den Auflösungen feststellen kann steht auf einem anderen Blatt. Im Vergleich zum Klassiker „1.280 x 800 Pixel“ ist aber definitiv ein Vorteil bemerkbar.

Zudem handelt es sich beim Display um ein Modell mit der Super-PLS-Displaytechnik aus dem Hause Samsung. Super-PLS klingt ungewohnt – und ist es auch. Diese neue Displaytechnik von Samsung ist zwar mit der hochwertigen IPS-Technik verbunden, bietet aber einen höheren Blickwinkel, bessere Kontraste und sorgt dafür, dass das Tablet auch bei Sonnenschein besser eingesetzt werden kann als die stark spiegelnden Modelle mit IPS-Panel.

Nexus 10

Nexus 10 Bild:Google

Spiegeln wird auch das Super-PLS-Panel im Nexus 10, die Spiegelungen sollen aber weniger störend ausfallen. Beim Betrachtungswinkel gibt Samsung optimistisch „bis zu 100 Prozent“ bessere Blickwinkel als bei den eh schon sehr blickwinkelstabilen IPS-Panels an. Zudem kann das Display des Nexus 10 den gesamten RGB-Farbraum darstellen, was der Bildwiedergabe sehr zuträglich sein dürfte. Die hohe Pixeldichte dürfte aber auch in einem recht hohen Energieverbrauch resultieren – je enger die Pixel zusammensitzen, desto mehr Hintergrundbeleuchtung wird benötigt um ein ansprechend ausgeleuchtetes Bild zu präsentieren. Hier kommt die erhöhte Helligkeit von Super PLS zum Tragen: Die Helligkeit soll 10% über der vergleichbarer IPS-Panels liegen. Dennoch verbaut Google einen Akku mit mächtigen 9100 mAh, ein guter Teil der Kapazität dürfte für das Display eingerechnet worden sein.

Nexus 10: Rechenkünstler ARM Cortex A15: Zwei ist schneller als Vier

Neben dem hochauflösenden Display wartet das Nexus 10 aber auch noch mit einer weiteren Überraschung auf: Als Prozessor kommt erstmals ein Modell mit den brandneuen A15-Rechenkernen des britischen Prozessorentwicklers ARM zum Einsatz. Samsung arbeitete schon längere Zeit an der neuen CPU-Reihe Exynos 5 und stellte entsprechende Dualcore-CPUs schon vor einigen Monaten vor. Genutzt wurde der Exynos 5 bislang aber nur auf Entwicklerplatinen sowie dem neuen, ebenfalls von Samsung gefertigten, Chromebook und nicht in Tablets oder Smartphones.

ARMs Cortex-A15-Architektur ist ein vergleichsweise großer Schritt für ARM-Prozessoren – ein A15-Kern bringt bis zu 40 Prozent mehr Leistung als ein gleichschnell getakteter A9, wie er in fast allen aktuellen Tablets zum Einsatz kommt. Samsungs Exynos 5 Dual wird dabei in einem modernen Fertigungsprozess mit 32 nm schmalen Strukturen gefertigt und verspricht eine um 30 % geringeren Energieaufnahme als vergleichbare A9-Doppelkern-CPUs. Dank der hohen Taktfrequenz von 1,7 Gigahertz erreicht der Exynos 5 Dual so die Leistungswerte der schnellsten ARM-Quadcores auf Basis des A9 – wie beispielsweise Nvidias Tegra 3 oder die Exynos 4 Quad von Samsung – während er weniger Energie aufnimmt.

Googles Nexus 10

Googles Nexus 10 Bild:Google

Ein weiterer Vorteil der A15-Kerne: Eine Dualcore-Architektur lässt sich für Softwareentwickler einfacher ausreizen als Quadcores; stehen bei einem Vierkernprozessor nicht ausreichend viele parallelisierbare Rechenoperationen an, sinkt die Leistung der CPU auf Dualcore-Niveau. Viele Anwendungen ziehen zudem keinen Vorteil aus den vier Kernen eines Tegra und können nur einen oder zwei Kerne überhaupt nutzen. Hier spielt der A15 seinen Trumpf aus: Ein breiteres Speicherinterface, mehr Zwischenspeicher und moderne Instruktionssätze sorgen auch bei vergleichsweise geringem Optimierungsaufwand für spürbare Mehrleistung. Nicht ganz unschuldig an der überzeugenden Performance des Nexus 10 ist allerdings auch der große Arbeitsspeicher von 2 Gigabyte.

Nexus 10: Flotter Pixelbeschleuniger Mali-T604

Um das hochauflösende Display des Nexus 10 überhaupt ansprechen zu können – und es dann auch noch mit ausreichend hoher Geschwindigkeit mit Daten füttern zu können – benötigt das Tablet selbstverständlich auch eine moderne Grafikeinheit. Diese nennt sich Mali T604 und stammt direkt von ARM. Wie bei ARM-SoCs (System on a Chip) üblich, ist die GPU direkt auf dem Prozessor untergebracht und nicht wie bei älteren PCs als separater Chip auf der Platine. Insgesamt vier Grafikkerne arbeiten im Mali T604 des Exynos 5 zusammen, der Maximalausbau dieser GPU.

Bei den unterstützten APIs orientiert sich ARM an der Spitzenklasse auf dem Grafikmarkt und bietet Support für OpenGL ES 2.0, OpenCL 1.1, Renderscript sowie DirectX 11. Der Einsatz von 4x FSAA (Full Scene Anti-Aliasing, Kantenglättung) soll nur sehr wenig Leistung verbrauchen – wird angesichts der hohen Auflösung des Nexus 10 aber wohl kaum nötig sein, da auch so schon kaum Treppeneffekte zu erkennen sein dürften.

Die Leistung des T604 soll laut ARM ungefähr viermal so hoch ausfallen wie die eines Mali-T400, wie er in vielen aktuellen Tablets zum Einsatz kommt. So soll die Leistung auch bei anspruchsvollen 3D-Spielen hoch genug ausfallen, um auch die native Displayauflösung des Nexus 10 flüssig unterstützen zu können. Bis speziell auf die hohe Auflösung angepasste Spiele erscheinen wird es aber wohl noch etwas dauern. Bei einem – zu erwartenden – Markterfolg des Nexus 10 dürften aber einige App-Entwickler auch die Fähigkeiten des Tablets ausreizen und so auch Apps für die hohe Auflösung und die speziellen Fähigkeiten des T604 produzieren.

Nexus 10 von Google

Nexus 10 von Google Bild:Google

Ausgeliefert wird das Nexus 10 in nur zwei Varianten: Mit 16 Gigabyte Flash und mit 32 Gigabyte. 3G-Versionen für den mobilen Tablet-Spaß fehlen genauso wie unterschiedliche Farbvarianten. Erweiterbar ist der Speicher nicht, wie schon beim Nexus 7 verzichtet Google auf die Integration eines Steckplatzes für SD-Karten. Im Gegensatz zum kleinen Schnäppchen-Modell verfügt das Nexus 10 aber über einen Micro-HDMI-Port und über einen Anschluss für Micro-USB. Sehr praktisch ist auch der Support für Wireless Display: Damit lässt sich der Bildschirminhalt kabellos zum Fernseher übertragen – ein Dongle von Wireless Display auf HDMI oder einen Fernseher mit entsprechenden integrierten Funktionen vorausgesetzt.

Autor: Dennis Ziesecke