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HTPC, Raspberry Pi und Android-Mediensticks – Für Bastler

Der Kauf und die Inbetriebnahme eines Streaming Clients ist eine einfache Angelegenheit – unsere Ratschläge für die besten Medienplayer befolgen, Player aufstellen, nach Anleitung anschließen, fertig. Individualisten allerdings werden mit den teils etwas eingeschränkten Fähigkeiten der Player nicht zwingend glücklich. Wenn selbst der Xtreamer Ultra nicht flexibel genug ist, bietet sich die Nutzung eines HTPC, eines Home Theatre Personal Computers, an.

Ein solcher HTPC besteht zumeist aus einem wohnzimmertauglichen Gehäuse, oft im Stile von HiFi-Komponenten und klassischer PC-Hardware. Aufgrund der technischen Fortschritte im Bereich der Energieeffizienz lassen sich HTPCs inzwischen sehr leise, teilweise sogar lüfterlos, kühlen und benötigen wenig Energie. So lassen sich AMDs E-Serie CPUs, ansonsten eher in Netbooks oder preiswerten Notebooks zu finden, hervorragend für einen Medien-PC einsetzen. Diese Prozessoren benötigen teilweise weniger als 10 Watt und bringen eine flotte Grafikeinheit gleich mit. So lässt sich auch HD-Filmmaterial via Grafikkarte flüssig abspielen, selbst wenn die CPU selbst zu langsam dafür wäre. Schneller wären AMDs Fusion-CPUs aus der Llano- oder Trinity-Serie. Diese Prozessoren bieten mehr Rechenleistung und eine deutlich schnellere GPU – so lässt sich auch einmal ein Spiel spielen oder ein Video in ein anderes Format umwandeln. Intel hat als Alternative sehr interessante CPUs der Ivy Bridge Baureihe im Sortiment – teilweise mit vier schnellen Rechenkernen, der flotten HD-4000-GPU und nur 35 Watt maximalem Energiebedarf.

Eine dedizierte Grafikkarte ist aus diesem Grunde nicht nötig, der Platz im Rechner kann aber für eine TV-Karte genutzt werden. So lässt sich ein HTPC auch als digitaler Videorekorder einsetzen – mit einem integrierten Blu-ray-Brenner ist dann auch das Film-Archiv schnell gebrannt. Als Betriebssystem kann wahlweise Windows mit der Media-Center-Oberfläche von Microsoft oder mit einer alternativen Oberfläche genutzt werden. Als Betriebssystem bietet sich zudem das kostenfreie Linux an, für das es ebenfalls eine Vielzahl von Medien-Center-Oberflächen gibt. Bedient wird ein HTPC entweder klassisch mit Maus und Tastatur – hier bieten viele Hersteller handliche Modelle mit integriertem Touchpad an – oder mit einer herkömmlichen Fernbedienung. Vorteil des HTPCs: Ein solcher Rechner kommt auch bei Formatwechseln mit neuen Video- und Audioformaten zurecht, lässt sich mit beliebiger Software erweitern und kann notfalls auch herkömmliche PC-Aufgaben übernehmen. Zudem lässt sich beliebige PC-Peripherie von der Webcam bis zum WLAN-Modul anschließen. Dank moderner Betriebssysteme wie Windows 8 und ihren praktischen Stromsparmechanismen geht der Rechner zudem nach kurzer Untätigkeit in den Energiesparmodus, kann von dort aber weiterhin Nachrichten von Facebook, Twitter oder dem Mailkonto abrufen und sich für Videoaufnahmen hochfahren. SSDs sorgen für ausreichend Geschwindigkeit im Alltag. Dank einer Vielzahl von Apps lässt sich der HTPC auch vom Smartphone aus fernbedienen – das Telefon arbeitet dabei wahlweise als Touchpad oder als klassische Fernbedienung. Sogar Sprachkommandos sind problemlos möglich, so dass Internetadressen nicht mühsam eingetippt werden müssen.

HTPC, Raspberry Pi und Android-Mediensticks – Für Bastler

HTPC, Raspberry Pi und Android-Mediensticks – Für Bastler ©iStockphoto/John Christian Lonningdal

So flexibel, schnell und praktisch ein HTPC auch sein mag – ein Rechner im Wohnzimmer ist nicht jedermanns Sache und zudem ist ein HTPC nicht unbedingt ein preiswertes Vergnügen. Wer einen Hang zum Basteln hat, sollte sich stattdessen den Raspberry Pi der englischen Raspberry Pi Foundation anschauen. Dieser Mini-PC im Kreditkartenformat kostet nur 35 Euro und bietet klassische Smartphone- und Tablet-Technik. Ein ARM-Prozessor mit integrierter Grafikeinheit sorgt für ausreichend Leistung, Arbeitsspeicher, USB und Netzwerkbuchse sind fest aufgelötet. Ein Betriebssystem wie Linux lässt sich von SD-Karte starten, Dateien und Anwendungen können auch per USB eingelesen werden. Für den Raspberry Pi existiert bereits eine Medien-Center-Oberfläche, die direkt von SD-Karte gebootet werden kann und den Mini-PC zu einem vollwertigen Streaming Client macht. Da zahlreiche Ein- und Ausgänge in Form von Pfostensteckern auf der Platine des Raspberry Pi vorhanden sind, lassen sich eigene Erweiterungen für den Rechner erstellen. Infrarot-Adapter, kleine Displays zur Anzeige der aktuell abgespielten Dateien, ja sogar Touchdisplays zur Bedienung und Webcams lassen sich so mit etwas Bastelgeschick hinzufügen. Familienväter können mit ihrem Nachwuchs auch ein Gehäuse für den nackt ausgelieferten Rechner basteln – je nach Vorliebe aus Lego, Holz, Metall oder Plexiglas.

Deutlich vollständiger kommen chinesische Android-Medienplayer daher. Eines dieser aus Hong Kong stammenden Geräte nennt sich CX-01 und wird auf Wunsch auch nach Europa geliefert. Der CX-01 nutzt einen ARM Cortex A5, einen 1-GHz-Doppelkernprozessor mit Mali-400-Grafikeinheit. Dank 512 MB Arbeitsspeicher und vorinstalliertem Android 4.01 lässt sich der Stick direkt nach dem Eintreffen als schneller und flexibler Medienplayer nutzen. WLAN ist bereits integriert, auf der Rückseite befindet sich ein USB-Port um beispielsweise Eingabegeräte anzuschließen. Der Clou ist die Stromversorgung – wie auch der Raspberry Pi benötigt der CX-01 nur sehr wenig Energie und kann direkt aus dem USB-Port eines Fernsehers gespeist werden. So wird der Stick mit seinem Front-HDMI-Anschluss in den Fernseher gesteckt und mittels des beiliegenden USB-Kabels mit Strom vom TV versorgt – eine Steckdose wird nicht mehr benötigt. Der Stick ist zwar nur mit 4 Gigabyte Speicher ausgestattet, Filme, Fotos und Musik lassen sich aber von einem NAS bequem per WLAN auf den Stick streamen. Der CX-01 wird für 52 US-Dollar inklusive Versand angeboten.

Eine weitere Möglichkeit, das Wohnzimmer multimedial zu erweitern, wäre die Nutzung einer der gängigen Spielekonsolen. Bis auf Nintendos Wii und WiiU bieten alle Hersteller auch Medienplayer-Funktionen. Allerdings sind diese unverständlicherweise in ihrer Formatvielfalt oft eingeschränkt – das beliebte MKV-Format beispielsweise beherrschen weder die Xbox 360 noch Sonys Playstation 3. Im Vergleich zu einem Streaming Client oder gar eines Android-Sticks wie dem CX-01 benötigen die Konsolen auch sehr viel Strom – unter Last bis zu 200 Watt und selbst im „Idle“, also bei ruhender Oberfläche, sind es oft noch um die 50 bis 70 Watt. Da schlägt sich selbst ein HTPC noch besser – geschickt aufgebaute HTPCs benötigen keine 15 Watt ohne Last und nur maximal 40 Watt beim Betrachten von Filmen. Noch besser geeignet sind aus Energiesparsicht die Streaming Clients, deren spezialisierte Hardware nur selten mehr als 20 Watt aufnimmt. Ein Raspberry Pi oder ein CX-01 jedoch kommt selbst bei der Wiedergabe von HD-Videos nur auf maximal 3 bis 4 Watt.

Egal welche Lösung letzten Endes zum Einsatz kommt – Streaming-Clients und HTPCs bieten mit ihrer rein digitalen Wiedergabe und den oft bereits eingebundenen Online-Videotheken und Mediatheken ein ganz neues und flexibles TV-Gefühl. Darunter leiden wird der klassische TV-Konsum – was aber ja nicht unbedingt ein Nachteil sein muss.

Autor: Dennis Ziesecke

Streaming-Clients: Netzwerkfähige Medienplayer: