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Review – Total War: Shogun 2

Nachdem man schon den Imperator von Rom nachahmen konnte, als König im Mittelalter mit seinen Rittern in den Krieg zog und sogar die Feldzüge Napoleons nachspielen durfte, kehrt die Total War Serie zu ihren Wurzeln zurück. Wie uns der Ausflug ins Japan der Samurai und Shogunen gefallen hat, erfahren Sie im Review von Georgios Papadoudis.

Hintergrundstory

Review - Total War: Shogun 2Wir schreiben das 16. Jahrhundert. Während die Europäischen Nationen Richtung Westen ziehen, um den neu entdeckten Kontinent Amerika zu erobern, sieht es auf der anderen Seite der Welt auch nicht ruhiger aus. Japan befindet sich in der Ära des Sengoku-Zeitalters, welches auch „Zeit der streitenden Reiche“ genannt wird, eine sehr dunkle Epoche der Japanischen Geschichte, die von Kriegen und Gewalt geprägt wurde. Die Ära begann, als das Ashikaga Shogunat fiel. Ohne ein Shogunat war somit auch keine zentrale Macht mehr vorhanden, welche für Ordnung sorgte. Das hatte zur Folge, dass die mächtigsten Daimyos (Clanführer und Feldherr) mit ihren Clans Japan unter sich aufteilten. Erst durch militärische Macht und Einrichtung eines neuen Shogunats gelang es drei Männern Anfang des 17. Jahrhunderts, Japan wieder Frieden und Einigkeit zu bringen. Oda Nobunaga, ToyotomiHideyoshi und TokugawaIeyasu hießen diese Männer. Sie waren mächtige Feldherren und gelten als die „drei großen Einiger“ des feudalen Japan.

Einzelspielerkampagne

Total War: Shogun 2 spielt in der Zeit von 1545 bis 1600. Der Spieler darf in die Rolle eines mächtigen Daimyos schlüpfen und seinem Clan zu Ruhm und Ehre verhelfen. Es stehen neun Clans (in der Limited Edition sogar zehn) zur Verfügung. Jeder dieser Clans hat eine besondere Stärke, zum Beispiel stärkere Schwertkämpfer oder günstigere Festungen. Je nachdem, für welchen Clan Sie sich entscheiden, haben Sie andere Ziele sowie eine leicht unterschiedliche Ausgangssituation und einen anderen Schwierigkeitsgrad. Liegt die Hauptprovinz Ihres Clans etwa in einem eher ruhigen Gebiet, so ist der Schwierigkeitsgrad zu Beginn natürlich geringer, als läge sie im Herzen Japans, wo man von allen Seiten belagert wird.

Das Spielziel ist jedoch immer nahezu identisch: Der Spieler hat die Aufgabe, die Hauptstadt Kyoto zu erobern und vier Runden lang zu halten, um ein Shogunat zu etablieren und dazu muss noch eine bestimmte Anzahl von speziellen Provinzen, die von Clan zu Clan variieren, erobert und gehalten werden. Haben Sie sich nun für einen Clan entschieden, geht das Spiel erstmals mit der Kampagnenkarte los. Hier kann man seine Städte und Steuern verwalten, Armeen rekrutieren und im Grunde das gleiche, was man schon aus den Vorgängern kennt. Ein besonderes Lob an den Stil der Karte: Alle noch nicht entdeckten Gebiete erscheinen als gezeichnete Japanische Landkarte, ein sehr schöner Stilfaktor.

Review - Total War: Shogun 2Die Komplexität wurde im direkten Vergleich zu den Vorgängern aber gesenkt, denn hier hat man weniger Provinzen zu verwalten und Handel sowie Finanzen sind leichter in den Griff zu bekommen. Z.B. kann man bei Shogun 2 nun keine roten Zahlen mehr schreiben, sondern das vorhandene Geld kann im schlimmsten Falle bis auf 0 sinken. Macht man dann noch weiterhin schlechte Geschäfte, verliert man etwas Ansehen gegenüber den anderen Fraktionen.
Für Neueinsteiger ist das Tutorial, wie auch das Nachschlagen in der Online-Enzyklopädie Plicht, denn diese sind sehr gut gemacht und helfen immens beim Einstieg. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die ,,Beherrschung der Künste“. Hierbei handelt es sich um eine vereinfachte Version des Forschungsbaumes wie man ihn z.B. schon aus Empire: Total War kennt. Es wird in zwei unabhängige Bäume getrennt und zwar Chi und Bushido. Im Bushido Baum kann man diverse Dinge erforschen, welche die Armee und Marine verstärken oder bestimmte Boni geben. Die Künste des Chi dienen dazu, Festungen, Diplomatie und Steuerverwaltung zu verbessern. Im Grunde steht Bushido für militärische und Chi für zivile Forschung.

Je weiter unten die Fähigkeit, die erforscht werden soll, in einer dieser Bäume liegt, desto mehr Runden dauert es, sie zu meistern. Diese Forschungen verstärken den ganzen Clan, jedoch steigt auch die Stufe von Generälen, Agenten und Oberhäuptern, wenn sie eine bestimmte Anzahl von Schlachten gewonnen oder Aufgaben erfüllt haben. Diese kann man dann auch verbessern. Erstens kann man alle paar Stufen das Gefolge dieser Person vergrößern, welches je nach Auswahl verschiedene Boni bringt und zweitens man kann Talentpunkte verteilen. Bei einem General kann man etwa seine Fähigkeiten in Taktik oder Kampf damit verbessern.

Review - Total War: Shogun 2Wie aus den Vorgängern bekannt, ist es natürlich sehr wichtig, eine Armee zu rekrutieren, um sich vor Feinden zu schützen und seinen Einflussbereich zu erweitern. Hier hat sich im Grunde nicht viel verändert. Je größer eine Stadt ist, desto mehr Soldaten können dort pro Runde rekrutiert werden und man benötigt bestimmte Gebäude, um die dazu gehörigen Einheiten rekrutieren zu können, z.B. erhält man durch den Bau eines Schießstandes Zugriff auf Bogenschützen. Das gleiche gilt auch für Agenten wie z.B. Attentäter, die hier natürlich Ninja sind, wie es sich für das feudale Japan gehört. Eine große Armee will aber natürlich auch unterhalten werden, daher muss man immer darauf achten, dass man für den Sold der Soldaten aufkommen kann, um nicht bankrott zu gehen. Daher muss man hin und wieder nicht genutzte Einheiten entlassen oder neue Provinzen einnehmen, um so an mehr Steuergelder und Handelsgüter zu gelangen. Es gibt natürlich auch die Möglichkeit, die Steuern zu erhöhen, was oft Aufstände zur Folge hat, die sogar den Verlust einer Provinz bedeuten können.

Auch wieder mit an Bord: Der Familienstammbaum. Hier werden Minister bestimmt, der Erbe ernannt und sogar Generäle in die Familie adoptiert. Neu dazugekommen ist die Möglichkeit, die Religion des Oberhauptes vom Shintoismus ins Christentum zu ändern. Dieser Schritt würde zwar das Verhältnis zu den europäischen Händlern verbessern und die Möglichkeit eröffnen, Schusswaffen zu benutzen, jedoch kann es zu Aufständen im eigenen Volk führen, sowie zur Verschlechterung der Beziehungen zu anderen Clans. Wichtiger Knackpunkt ist auch die Diplomatie. Hier hat sich ebenfalls nicht viel geändert zu den Vorgängern. Man kann also Handelsbeziehungen und militärische Bündnisse eingehen, Töchter verheiraten um Bündnisse zu stärken, anderen Clans den Krieg erklären und so weiter. Eine neue Option ist, den eigenen Sohn für eine begrenzte Zeit als Geisel anzubieten, bzw. den Sohn eines anderen Daimyo als Geisel zu verlangen. Damit soll sichergestellt werden, dass die verhandelten Leistungen eingehalten werden. Haben Sie dies alles erledigt, können Sie nun die Runde beenden und gucken, wie sich diese Entscheidungen auf Ihr Reich ausgewirkt haben. Das ist der rundenbasierende Teil des Spiels, der Echtzeitstrategie Teil wird im Bereich Echtzeitschlachten behandelt.

Echtzeitschlachten

Review - Total War: Shogun 2Es gibt mehrere Möglichkeiten, Echtzeitschlachten zu erleben: Einmal kann man eine selbsterstellte Schlacht nachspielen, dann eine historische oder bei der Einzelspielerkampagne, wenn es zu einer Auseinandersetzung kommt, kann man diese zwar simulieren aber auch selber austragen. Des Weiteren gibt es drei verschiedene Arten von Schlachten: Den Angriff bzw. die Verteidigung einer Festung, Seeschlachten, sowie Gefechte auf offenen Feldern. Bevor es losgeht, positioniert man seine Truppen strategisch möglichst intelligent, um sein Ziel zu erreichen. Sobald man damit fertig ist, startet man die Schlacht. Ab diesem Zeitpunkt ist nun alles in Echtzeit. Zu den Vorgängern gibt es, bis auf die gestiegene Anzahl der Einheiten, die dargestellt werden können, nicht viele Unterschiede. Wieder geht es darum, seine Soldaten möglichst intelligent zu benutzen, z.B. sollte man Kavallerie nicht gegen Speerinfanterie einsetzen und seine Bogenschützen aus dem Nahkampf fernhalten. Auch muss man wieder darauf achten, dass die Moral der eigenen Truppen nicht zu stark fällt, da sie sonst den Rückzug ergreifen. Besonders schädlich für die Moral ist der Verlust eines Generals.

Multiplayer

Für schnelle Matches kann man wieder Echtzeitschlachten in zwei Teams mit bis zu vier Personen austragen. Auch wieder dabei ist die Möglichkeit, den Kampagnenmodus gegeneinander oder kooperativ zu bestreiten. Spielt man zusammen, sehen beide Spieler die aufgedeckten Kartenteile und man kann Teile seiner Truppen dem Befehl seines Verbündeten unterstellen. Neu jedoch ist der Avatarmodus: Hier erstellt man als erstes einen Avatar den man dann, wie in einen Rollenspiel, mit Rüstungsteilen, die ihn stärker machen, ausstatten kann. Der Avatar kann natürlich auch ganz rollenspieltypisch Erfahrung dazugewinnen. Des Weiteren können Sie auch die Flagge und Farben seiner Fraktion bestimmen.

Haben Sie dies erledigt, geht’s an die spezielle Karte für den Avatarmodus. Hier wird, ähnlich wie im Kampagnenmodus, Japan in verschiedene Provinzen aufgeteilt, die es zu erobern gilt. Will man nun eine Provinz erobern, muss man eine Echtzeitschlacht gegen einen anderen Spieler gewinnen. Hat man dies geschafft, werden, je nach Provinz, verschiedene Gebäude freigeschaltet, die dann wiederum neue Einheiten zugänglich machen. Sind Sie jedoch eher ein Gruppenspieler als ein Einzelkämpfer, dann können sie sich mit anderen Spielern zu einem Clan zusammenschließen. Hier entscheidet nun die Gesamtanzahl an Siegen und Niederlagen der ganzen Gemeinschaft in dieser Provinz, ob man sie dann erobert hat. Die eroberten Provinzen besitzt man, muss sie aber nicht, wie in der Kampagne, verwalten. Dieser Spielmodus besteht aus Echtzeitschlachten, bei welchen Siege bestimmte Vorteile erbringen können. Wir denken, dass hierdurch die Langzeitmotivation im Online-Modus extrem gesteigert wird.

Technik

Review - Total War: Shogun 2Die Grafik hat sich zum Vorgänger Empire nochmals verbessert. So sind nun noch mehr Einheiten auf dem Schlachtfeld und diese sind noch detaillierter dargestellt. Auch die Landschaften sind sehr schön dargestellt und ein besonderer Augenschmaus ist es, wenn man bei vollen Details ganz nah in ein Gefecht hineinzoomt, um die sehr schön gemachten Rüstungen zu betrachten. Die Soundkulisse ist auch sehr stimmig und glaubhaft. Man hört das Metall der Rüstungen rauschen wenn Armeen marschieren, das Zischen der Pfeile eines Pfeilhagels, das Donnern von Kanonen. Alles, wie wir finden, sehr gelungen. Das gleiche können wir auch von der Musik behaupten, die sehr schön den Stil der Epoche einfängt, wie auch der allgemeine Stil des Spiels. So sieht man z.B. statt schnöder Ladebildschirme, japanische Malereien. Das einzige Manko ist die etwas enttäuschende KI. Oft bleiben gegnerische Einheiten in einem Pfeilhagel stehen oder Stürmen eine überlegene Armee frontal an. Auch die eigenen Einheiten stellen sich manchmal blöd an und verweigern hin und wieder einfach den Befehl. Dies ist besonders bei hitzigen Gefechten sehr nervig.
Eine weitere Sache die einige von Ihnen als störend empfinden könnten, ist die Wartezeit nach einer beendeten Runde – im Schnitt 20-30 Sekunden. In dieser Zeit werden die Züge der anderen Fraktionen berechnet.

Fazit

Wir finden Shogun 2 ist ein würdiger Nachfolger zu Empire. Es hat sich im Großen und Ganzen nicht viel verändert jedoch wurde die Grafik etwas hochgeschraubt und vieles etwas vereinfacht. Wer also schon Empire mochte, sich aber etwas überfordert gefühlt hat, wird Shogun lieben. Auch der Avatarmodus bereichert die Serie und erhöht die Langzeitmotivation.

Review - Total War: Shogun 2