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Teure eBooks fördern Raubkopien

In den USA steigen die Preise für elektronische Bücher. Zu dieser Erkenntnis sind nicht nur zahlreiche Kunden sondern auch das Wall Street Journal und eine Anwaltskanzlei aus Seattle gekommen – letztere reichte Klage gegen Apple und fünf US-Buchverlage ein.

Bei eBooks herrscht Einigkeit unter den US-Verlegern: Die Preise steigen und liegen mittlerweile teilweise über dem Niveau der gedruckten Werke. Seit dem Start des iPad Anfang 2010 stieg der Preis von eBooks im Schitt von 12 auf 15 US-Dollar. Daher beschuldigten nun zwei Privatpersonen gleich fünf US-Großverlage sowie Apple die Preise für elektronische Bücher künstlich in die Höhe getrieben zu haben.

In den USA legen die Verlage die Endkundenpreise für eBooks fest, während gedruckte Bücher von den Händlern nach Belieben mit Rabatten versehen werden können. Dieses „Agency Modell“ hat Apple zum Start des iPad mit fünf US-Großverlagen besprochen und durchgesetzt, um ein Niedrigpreismodell des Hauptkonkurrenten Amazon auszuschließen. Dieses Vorgehen beschäftigt mittlerweile nicht nur die US-Justiz sondern auch die EU-Kommission.

eBook Reader

eBook Reader ©iStockphoto/AdamRadosavljevic

Zwar steigen die Verkäufe von eBooks weiterhin stark an, das liegt aber zum großen Teil auch an der mittlerweile stark verbreiteten Basis an kompatiblen Lesegeräten. Dedizierte eBook-Reader verkaufen sich immer besser und auch Tablets eignen sich als Lesegeräte für eBooks. Die steigenden Preise verunsichern die Kundschaft in den USA aber zunehmend, vor allem, da einige eBooks mittlerweile teurer angeboten werden, als ihre gedruckten Gegenstücke

Johannes Krüger von new eBooks merkt dazu an, dass eBooks sich auch technisch weiterentwickelt haben und nicht mehr nur einfach PDF-Dateien ohne zusätzlichen Mehrwert sind. So versuchen einige Verlage, sich durch eine hochwertige Navigation oder Animationen vom gedruckten Buch abzusetzen – was aber natürlich zusätzliche Investitionen nach sich zieht. Animationen und Multimediafunktionen sind allerdings nur Spielereien für Tablets, eInk-Reader stellen keine Animationen dar, weshalb die meisten „klassischen“ eBooks auch auf solche Funktionen verzichten. Die meisten für herkömmliche eBook-Reader produzierten Bücher sind eben doch nur etwas aufgewertete PDF-Dateien, weshalb nur wenige Käufer den vergleichsweise hohen Preis verstehen können – immerhin entfällt für den Verlag der gesamte Bereich der Logistik, des Druckes und der Papierkosten.

Ein zu hoher Preis wirkt sich Experten zufolge auch auf die Anzahl der illegal kopierten eBooks aus. Allerdings sprechen auch deutsche Verlage schon länger von exorbitanten Schwarzkopie-Zahlen, können diese aber nur unzureichend belegen. Viele eBook-Nutzer wenden illegalen Buchkopien auch schnell wieder den Rücken zu, da die Qualität der oft nur halbherzig übertragenen Bücher oft keine Freude bereitet.

In Deutschland gibt es kein „Agency Modell“ wie in den USA, hier herrscht auch bei elektronischen Büchern die Buchpreisbindung. Viele Verlage verkaufen aber vor allem eBooks zu Bestseller-Büchern gerne zum Preis der Hardcover-Version ohne dass der Käufer einen entsprechenden Mehrwert enthält. Auch die Aussage Krügers, dass die Verlage in Deutschland größtenteils ohne Kopierschutz veröffentlichen stimmt so nicht – die meisten eBooks erscheinen hierzulande mit Adobe DRM und lassen sich nicht kopieren.