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Videospielsucht bei Jugendlichen: Harmlos oder gefährlich?

Spiele machen bekanntlich großen Spaß und sind ein hervorragender Zeitvertreib. Harmlose Gesellschaftsspiele wie Brett- oder Kartenspiele wurden von Video- oder Computerspielen abgelöst. Sie sind für viele nicht mehr wegzudenken. Dass diese Art von Spielen jedoch süchtig macht, wird von den meisten belächelt. Wie bitte sollen Computerspiele süchtig machen?

Die völlig unterschätzte Spielsucht

Wenn jemand das Wort „süchtig“ hört, denkt er vielleicht an einen Heroin-Junkie, der sich gerade irgendwo den nächsten Schuss gibt. Dass jemand, der regelmäßig und sein tägliches Maß an Computerspiel braucht, auch in die Kategorie „süchtig“ fällt, ist vielen völlig fern, vor allem den Betroffenen. Doch Fakt ist: Wie auch bei anderen Drogen kommt die Sucht schleichend. Psychologen bestätigen, dass exzessives Computerspiel zur Sucht werden kann, und setzen es auf die gleiche Stufe wie Alkohol- oder Drogensucht. Die Spielemacher entwickeln immer raffiniertere Spiele, die richtig auf das Suchtpotenzial abzielen. Gerade Online-Spiele üben speziell auf Jugendliche besondere Anziehungskraft aus. Man hat die Möglichkeit in die Rolle eines Helden zu schlüpfen und dabei Leute auf brutalste Art zu töten oder im Panzer alles platt zu machen. Süchtige Spieler schaffen es kaum aus eigener Kraft die Spielergruppe zu verlassen, da man gemeinsam den nächsten Level erreichen möchte. Ein Verlassen würde als unhöflich empfunden werden, ein schlimmer Teufelskreis.

Wie sich die Spielsucht auswirkt

Realitätsverlust, Antriebslosigkeit, Angstzustände, Persönlichkeitsabbau, Bewegungsabbau, Verlust von sozialen Kontakten, Verschlechterung von schulischen Leistungen oder Depressionen sind nicht die einzigen Auswirkungen der Video- oder Computerspielsucht. Man erinnere sich an den schlimmen Vorfall, der im Jahr 2006 im Ort Emsdetten (Nordrhein-Westfalen) für Aufregung sorgte. Ein 18jähriger hatte in seiner Schule 37 Mitschüler verletzt und sich anschließend selbst umgebracht. Als Motiv wurden gewaltverherrlichende Killervideo-Spiele erwähnt. Der Fall eines Südkoreaners zeigt ebenfalls, wie ernstzunehmend dieses Problem ist. Der Mann brach nach 50 Stunden Online-Spielen tot zusammen.

Die Initiative der Eltern ist gefragt

Oftmals sind es die Eltern, bei denen die Alarmglocken läuten und die mit der Spielsucht ihrer Kinder meistens völlig überfordert sind. Erste Anzeichen für die Spielsucht des Kindes können sein, dass es sich plötzlich zurückzieht, Freundschaften vernachlässigt, den einst geliebten Sport an den Nagel gehängt hat oder sich völlig abschottet. Der erste Schritt wäre, die Kommunikation in der Familie wieder in Gänge zu setzen. Planen Sie gemeinsame Familienaktivitäten und beziehen Sie in die Pläne Ihr Kind aktiv mit ein.

Wo man Hilfe findet

Es gibt durchaus Fälle, in denen Eltern mit der Spielsucht Ihrer Kinder überfordert sind. Vielleicht gerade dann, wenn Sie zu lange gewartet haben, oder die Playstation oder andere Spielkonsolen von klein auf „Babysitter“ für den Nachwuchs waren. In so einem Fall wenden Sie sich unbedingt an psychologische Beratungsstellen. In Amsterdam gibt es seit 2006 eine Spezialklinik für Spielsüchtige. Hier werden Joystick-Junkies für alternative Freizeitbeschäftigungen begeistert. Hier bekommen Patienten ein volles Programm: Fitnessprogramme, Meditation, Sitzungen in Gesprächsgruppen und einen persönlichen Psychologen. Hier herrscht allerdings strengstes Spiele-Verbot.

Fazit

Video- und Computerspiele sollten ja nicht pauschal verteufelt werden, denn sie können in Maßen genossen auch das Leben bereichern. Es gibt zahlreiche harmlose Strategie-Spiele, die gut zur Unterhaltung sind. Wichtig ist eben wie bei allem im Leben: Alles mit Maß und Ziel.