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WLAN: Anwendungsmöglichkeiten und Erweiterungen

WLAN ist nicht gleich WLAN – zwar wird das Funknetz von vielen privaten Anwendern primär zum kabellosen Surfen im Internet genutzt, moderne Netzwerktechnik und damit auch WLAN bieten aber deutlich mehr Möglichkeiten. Mit einigen technischen Spielereien verwandelt sich ein ansonsten eher langweiliger Haushalt schnell in eine multimedial ausgestattete Vergnügungszentrale – teuer sind die meisten Erweiterungen nicht mehr. Einige der beliebtesten Anwendungsbereiche werden wir übersichtlich aufzählen und erläutern.

Webradios

Das klassische Radio gehört zum Standard-Equipment in unzähligen Küchen, Wohnzimmern und Schlafräumen. Radios sind preiswert, einfach zu benutzen und bieten schnelle Unterhaltung. Allerdings ist die Senderwahl zumeist auf regionale Stationen begrenzt. Und die bei staatlichen oder werbefinanierten Radiosender gespielte Musikmischung erinnert in vielen Fällen an eine Dauerschleife der aktuellen Tophits – gemischt mit einigen vermeintlichen „Megahits der 80er und 90er“.

Wenn dieser Musikmix langweilig geworden ist – und das geschieht bei regelmäßigem Radiokonsum zumeist schon nach wenigen Stunden und zahlreichen Wiederholungen der immer gleichen Musikstücke – bietet sich ein Webradio als Alternative zum FM-Radio an. Die Sender empfängt ein Webradio wie der Name bereits andeutet nicht per Wurfantenne sondern über das Internet. Aus diesem Grund verfügen die meisten Modelle über eine WLAN-Funktion, mit der sie nach kurzer Konfiguration über den hauseigenen WLAN-Router ins Internet gelangen können. Dort stehen fast unzählbar viele Radiostationen zur Verfügung – sortieren lässt sich hier nach Musikrichtung, nach verschiedenen Ländern und Regionen oder auch nach vorab eingestellten Senderlisten. Wer nach dem Karibikurlaub noch immer die Band im Ohr hat, die den Strand immer mit atmosphärischer Musik beschallt hat – einfach einen Radiosender aus der jeweiligen Region einstellen und schon ertönt die richtige Musik. Neben zahlreichen privaten Webradiobetreibern finden sich auch unzählige kommerzielle Stationen. Nach einem Umzug lässt sich so wenigstens der heimische Radiosender mit in die neue Umgebung nehmen. Das gilt insbesondere auch für Umzüge ins Ausland – lokale Sender finden sich aus so gut wie jeder Region der Welt.

Voice over IP Mobiltelefone

Noch vor wenigen Jahren war Voice over IP, kurz VoIP, ein Nischenphänomen, dem nur wenige Menschen eine nennenswerte Zukunft prophezeit haben. Mittlerweile arbeiten zahlreiche Telefonanschlüsse mit dieser Technik – wer beispielsweise einen Komplettanschluss bei einem Kabelnetzbetreiber nutzt, wird damit automatisch auch VoIP einsetzen und so ungemerkt über das Internet telefonieren. Doch abseits der Providerlösungen gibt es noch immer VoIP-Lösungen für den Hausgebrauch. Bekannt wäre beispielweise das SIP-Protokoll und der Dienst Skype.

Voice over IP Mobiltelefon

Voice over IP Mobiltelefon ©iStockphoto/Tom Gufler

VoIP lässt sich aber nicht nur am Festnetz oder via Headset am PC nutzen. Anbieter wie AVM oder Cisco verkaufen auch WLAN-Telefone, die wie herkömmliche Mobiltelefone wirken. Diese können sich in jedes verfügbare WLAN einwählen (sofern das Netz offen ist oder das Verschlüsselungspasswort bekannt ist) und den Anwender über das Internet Telefonieren lassen. Im Gegensatz zu Smartphones ist hierfür kein Mobilfunkvertrag nötig, ein wenig Guthaben bei einem VoIP-Anbieter reicht vollkommen aus. Zudem können diese Telefone oft auch zusätzliche Dienste auf das Telefondisplay bringen – es lassen sich beispielsweise Mails, Twitternachrichten oder weitergehende Kontaktinformationen einblenden. Gegenüber dem klassischen Festnetztelefon bietet ein WLAN-Telefon daher einen spürbaren Mehrwert – und das überall, wo Internet per WLAN vefügbar ist.

WLAN Drucker

PC-Arbeitsplätze mussten in der Vergangenheit eher zweckmäßig aufgebaut werden. Monitor, Rechner, Tastatur und Maus – und dann in unmittelbarer Nähe der Drucker. Grund waren die begrenzten Kabellängen der USB-Verbindung zum Drucker, mehr als drei Meter sind bei dieser Technik oft nur durch teure Adapterlösungen problemlos möglich. Abhilfe schaffen Netzwerkdrucker. Diese kosten mittlerweile nicht viel mehr als klassische auf das Kabel angewiesene Modelle. Allerdings lassen sie sich entweder per LAN-Kabel oder in vielen Fällen auch direkt per WLAN mit dem heimischen Router verbinden. Nach einer kurzen und zumeist sehr einsteigerfreundlichen Konfiguration sind nun alle im gleichen Netzwerk angemeldeten Rechner in der Lage, auf den Drucker zuzugreifen. Egal, ob das Notebook nur gerade im Garten, auf dem Balkon oder auf dem Sofa genutzt wird – gedruckt werden kann aus jeder Position kabellos. Viele Modelle erlauben so auch das Scannen von Bildern und Dokumenten.

WLAN Bridges

Viele moderne Heimunterhaltungsgeräte bieten zwar serienmäßig eine Netzwerkschnittstelle – WLAN hingegen ist oft nicht serienmäßig integriert. So greifen Blu-Ray-Player via Netzwerk auf die Server des Herstellers und der Filmunternehmen zu, um Updates für den Player und zusätzliche Informationen zu Filmen und Serien herunterzuladen. Einige Modelle können auch im Netzwerk eingebundene Laufwerke nach Mediendateien durchsuchen und so als Medienplayer fungieren. Zusätzliche Inhalte lassen sich bei vielen Playern bequem herunterladen – Online-Videotheken bieten so beispielsweise die Möglichkeit, neue Filme direkt online auszuleihen ohne im Regen zur Videothek wandern zu müssen oder lange auf die Lieferung eines Filmes warten zu müssen. Aktuelle Spielkonsolen sind für viele Funktionen sogar auf eine Netzverbindung angewiesen – so laden die Hersteller Patches und Zusatzinhalte zu ihren Spielen direkt auf die Konsole. Sogar Fernsehgeräte bieten inzwischen Medienplayer-Funktionen und fordern eine Netzwerkverbindung.

Einige Hersteller wissen um die Probleme ihrer Kunden – in den wenigsten Wohnzimmern ist eine Netzwerkleitung installiert, oft ist das Ziehen eines Netzwerkkabels auch nicht ohne größere Umbauten möglich. WLAN wäre eine praktische Lösung, wird aber nur selten serienmäßig integriert. Hersteller wie Samsung, Microsoft oder Nintendo verdienen zudem einiges Geld mit dem Verkauf spezieller für die hauseigenen Geräte angepasster WLAN-Adapter. Dass es sich dabei nur um eigentlich sehr preiswerte USB-Sticks mit WLAN-Funktion handelt, Geräte, die im Normalfall nicht mehr als 10 Euro kosten sollten, verschweigen die Hersteller gerne. Fremdprodukte funktionieren aufgrund von Abfragen der Endgeräte nur selten.

Abhilfe schaffen sogenannten WLAN-Bridges. Sobald ein Gerät einen LAN-Port, also einen RJ45-Netzwerkanschluss, besitzt, lässt sich eine solche Bridge per Netzwerkkabel anschließen. Zuvor allerdings sollte die Bridge laut Anleitung an einem PC eingerichtet werden – Daten zur Verschlüsselung und dem zu nutzenden WLAN kann die Bridge schließlich nicht erraten. Einfach in der Handhabung sind Modelle mit einem WPS-Knopf, hier reicht ein kurzer Druck auf den Knopf der Bridge und dem passenden Gegenstück am Router und schon bauen die Geräte eine sichere Verbindung untereinander auf. Anschließend können die so verbundenen Endgeräte nicht mehr zwischen WLAN und kabelgebundener Verbindung unterscheiden. Besonders für bandbreitenintensive Anwendungen wie HD-Videostreaming oder der Nutzung an Spielkonsolen sollte das heimischen WLAN aber schon den jeweils aktuellsten Funkstandard beherrschen. Der Kauf teurer Spezial-WLAN-Adapter ist dank einer Bridge nicht nötig. Zahlreiche Access-Points beherrschen auch den Bridge-Modus, Hinweise dazu finden sich normalerweise auf der Packungsrückseite oder auf den Internetseiten der Hersteller. Wird die Bridge als solche nicht mehr benötigt, kann der Adapter zudem in vielen Fällen auch als Repeater eingesetzt werden und fortan die Reichweite des WLANs erhöhen. Mit ca. 30 bis 70 Euro schlagen WLAN-Bridges auch preislich kein großes Loch ins Haushaltbudget.

Autor: Dennis Ziesecke