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WLAN Reichweite

So praktisch WLAN im Alltag auch ist, sobald sich ein Rechner knapp am Ende oder sogar außerhalb der Reichweite des Netzwerkes befindet, macht sich oft Verzweiflung breit.

Dabei gibt es einige leicht zu befolgende Ratschläge, die zumindest einige Meter zusätzlicher Reichweite bringen können. Wer gewillt ist, ein wenig in zusätzliche Geräte wie Repeater oder Antennen zu investieren, kann die Reichweite seines Funknetzes mehr als verdoppeln. Den Angaben auf den Verpackungen der Router und anderer WLAN-Geräte sollten dabei aber nur wenig Vertrauen geschenkt werden. Viele Hersteller geben die maximal möglichen Reichweiten an, Daten die nur unter Laborbedingungen erreichbar sind – mit Rückenwind und Bergab quasi. Üblicherweise überbrückt ein Funknetzwerk in Gebäuden Reichweiten von 10 bis 30 Metern – je nach Bauweise und je nach der Menge der zwischen den Geräten stehenden Wänden. Bei freier Sicht sind auch 40 bis 50 Meter realisierbar. Aufgrund einiger technischer Einschränkungen aber interessanterweise nur bei gutem Wetter und wenn keine störende Flora im Empfangsweg steht, für Bäume und Büsche gilt das gleiche wie für Wände im Gebäude. Moderne und hochwertig ausgestattete Router erreichen dabei aufgrund einiger technischer Tricks höhere Reichweiten als Standardmodelle, wie sie beispielsweise zum DSL-Zugang mitgeliefert werden.

Sollte der per WLAN zu verbindende Computer nur einen schwachen Funkempfang haben, mit schwankenden Übertragungsraten und abbrechenden Verbindungen, lässt sich unter Umständen mit wenigen Handgriffen die Leistung des WLANs verbessern und so eine zuverlässige Verbindung etablieren. Zuerst einmal sollte erkundet werden, ob sich noch weitere kabellose Netzwerke in der näheren Umgebung befinden. Das lässt sich in den Netzwerkeinstellungen direkt unter Windows einsehen – je mehr weitere WLAN-Netze dort angezeigt werden, desto mehr potentielle Störer befinden sich in der Reichweite des eigenen Netzes. Kostenlose Programme wie „Network Stumbler“ zeigen zudem die von den fremden Netzwerken genutzten Funkkanäle an. In der Konfiguration des eigenen Routers sollte anschließend ein Funkkanal eingestellt werden, der sich abseits der häufig genutzten Kanäle befindet. Allerdings sind nur drei Einstellungen wirklich voneinander getrennt – Kanal 1, 6 und 12 überlappen sich nicht. Da viele Router auf dem Standardkanal 6 eingestellt sind, rentiert sich also ein Versuch mit 1 oder 12.

WLAN Reichweite

WLAN Reichweite ©iStockphoto/Stephan John

Sollte die eigene WLAN-Hardware (sowohl Router als auch die Endgeräte) die Übertragung im 5-GHz-Frequenzband unterstützen, ist es vor allem in der Umgebung zahlreicher fremder Funknetze oft sinnvoll, dieses Frequenzband zu nutzen anstelle der voreingestellten 2,4 Gigahertz. Diese Option hat auch weitere Vorteile: Da viele andere Endgeräte ebenfalls mit 2,4 Gigahertz arbeiten, können auch diese dem eigenen WLAN in die Quere kommen und den Empfang stören. So sollten beispielsweise DECT-Telefone (also so gut wie alle privat eingesetzten Mobilteile für den Festnetzanschluss) nicht in unmittelbarer Nähe zum Router aufgestellt werden, da auch diese mit 2,4 Gigahertz funken. Gleiches gilt für einige Babyfone und kabelloses (digitale) Funkkopfhörer. Auch der bei Smartphonebesitzern beliebte Nahbereichsfunk Bluetooth arbeitet auf dieser Frequenz und kann WLAN stören. Sollte übrigens ausgerechnet beim Aufwärmen des Mittagessens regelmäßig die Verbindung abbrechen, kann das auch an einer schlecht isolierten oder defekten Mikrowelle liegen – auch diese nutzt die 2,4-GHz-Frequenz zum Erwärmen der Wassermoleküle in der Nahrung. Wasser selbst hingegen blockiert WLAN nur passiv – in Regen und Nebel beispielsweise wird das Signal stark gebrochen und reflektiert, so dass der Empfang schlechter wird. Das gilt auch dann, wenn beispielsweise ein Badezimmer oder die Küche zwischen Router und Rechner liegen.

Auch mit der Ausrichtung der WLAN-Antenne(n) lässt sich unter Umständen etwas mehr Reichweite herauskitzeln. Die Antennen strahlen die Signale keulenförmig ab, so dass es eher unsinnig ist, die Antenne direkt auf den entfernt stehenden Rechner zielen zu lassen. Besser ist es, die Antenne horizontal so auszurichten, dass die seitlich abgegebenen Signale das Endgerät treffen können. Moderne Router mit intern verbauten Antennen nutzen übrigens bereits Funktionen, um die Signalstärke auf weiter entfernte Rechner zu optimieren – sollte also die Anschaffung eines neuen Routers anstehen, kann auch das zu einer deutlich bemerkbaren Leistungsverbesserung führen.

Wenn all diese „Hausmittel“ keine positiven Auswirkungen auf die Verbindungsqualität haben, kann sich der Empfang mit einem Repeater verbessern lassen. Dieser wird dort platziert, wo der WLAN-Empfang noch gut und zuverlässig ist. Der Repeater empfängt nun das Signal und schickt es frisch verstärkt weiter an den Rechner. Es können auch mehrere Repeater hintereinander geschaltet werden, allerdings halbiert sich mit jedem zusätzlichen Gerät die effektive Datenrate, da die Geräte nicht gleichzeitig senden und empfangen können. Dafür benötigt ein Repeater nicht viel mehr als eine freie Steckdose und eine kurze und meistens sehr einfache Konfiguration.

Sollte der Router über extern zugängliche und abnehmbare Antennen verfügen, kann es helfen, diese gegen stärkere Modelle zu ersetzen. Vor allem, wenn nur ein relativ weit entfernter Rechner angebunden werden soll, lohnt sich oft der Kauf einer Richtfunkantenne. Diese bündelt die maximal nutzbare Energie auf einen relativ kleinen Raum und erreicht so oft die zwei bis dreifache Reichweite klassischer Antennen – dafür aber eben auch nur in einem begrenzten Raum und nicht hinter oder neben der Antenne.

Größere Wohnungen können auch mit einer Mischung aus Kabel- und kabellosen Netzwerken mit Internet versorgt werden. Ein WLAN-Access-Point per Netzwerkkabel an den Router angebunden kann dort aufgestellt werden, wo die Sendeposition besser ausfällt als direkt am Router. Soll dennoch kein Kabel verlegt werden, bietet sich das sogenannte Powerline an. Hierbei handelt es sich um eine Netzwerkverbindung, die die existierenden Stromleitungen zur Übertragung einsetzt. Ein Stecker kommt dabei in eine Steckdose in der Nähe des Routers – der Adapter wird dann per Netzwerkkabel mit dem Router verbunden – und der zweite wird in dem Raum eingesteckt, wo der zu vernetzende Rechner steht. Einige Powerline-Adapter bietet zusätzlich eine WLAN-Option, so dass sich beispielsweise ganze Stockwerke mit WLAN versorgen lassen, auch wenn den eigentlich WLAN-Router weit entfernt und schlecht zugänglich positioniert ist. Die Reichweite von Powerline beträgt bis zu 200 Meter (reine Kabellänge), die maximal erreichbare Nettodatenrate liegt bei aktuell bis zu 130 Megabit pro Sekunde (Powerline 200 und 500). Ältere Adapter mit 14 oder 85 Megabit sollten allerdings nicht mehr angeschafft werden, da diese neben der eher geringen Nettogeschwindigkeit von nur 3 bis 20 Megabit pro Sekunde sich auch durch ihre Inkompatibilität zu schnelleren Adaptern deklassieren.

Autor: Dennis Ziesecke